Akute Bergkrankheit (AMS)

Motorrad-Tour zum Mount Everest Basislager

Veröffentlicht am 5. April 2018

Ich habe die Möglichkeit, Ende Mai als Beifahrer an einer organisierten Motorradtour (in einer Gruppe von 15 Fahrern und Begleitfahrzeug) zum Everest Basecamp in Tibet teilzunehmen. Die Tour geht von Lhasa weg, über Shiatse und Tingri/ Gyatsola Pass zum Base Camp (von 3650 Höhenmeter auf 5500 Höhenmeter ). Auf dem Motorrad sind wir insgesamt 5 Tage unterwegs, wir werden nicht bergsteigen bzw. uns anderweitig sportlich betätigen.

Ich würde sehr gerne daran teilnehmen, da man ja nicht allzu oft im Leben solch eine Möglichkeit bekommt :) Jedoch bin ich wegen der Höhe etwas besorgt. Ich bin 27 Jahre alt, schlank und zwar allgemein sehr sportlich (Ausdauer- und Kraftsport), habe jedoch keine Bergsteiger-Erfahrung und war daher noch nie in einer vergleichbaren Höhenlage. Daher weiß ich nicht, wie mein Körper auf die Höhenluft reagieren wird (anscheinend ist dies ja unabhängig vom allgemeinen Fitnesslevel, auch erfahrene Bergsteiger können Probleme haben, wohingegen auch eher "unsportliche" Leute die Höhenluft gut vertragen können - daher eher eine "Glücksache"). Vielleicht kann mich aber jemanden eines Besseren belehren :)

Meine Frage ist nun, ob ich wg der Höhe besorgt sein soll... Wenn ja, wie kann/soll ich mich vorbereiten (leider ja auch nicht mehr all zuviel Zeit...) Sind die Risiken kalkulierbar oder nicht? Würdet ihr mir raten, daran teilzunehmen oder besser es nicht zu "wagen"?

Antwort von Hoehenmedizin.org

Ihr wollt mit den Motorrädern auf 5'150m fahren. Das ist sicher sehr cool, auch wenn die CO2-Konzentration unserer Atmosphäre dadurch um einige ppm ansteigen wird.

Prinzipiell hat Höhenkrankheit nichts mit sportlicher Fitness zu tun, anders gesagt: Deine sportliche Leistungsfähigkeit schützt Dich nicht vor höhen-assoziierten Erkrankungen. Das Gleiche gilt für Höhenerfahrung: wenn Du bereits einige Male in großen und extremen Höhen warst, wirst Du trotzdem mit der gleichen Wahrscheinlichkeit krank wie unerfahrene Höhenbesucher. Der Unterschied ist, dass sich erfahrene Bergsteiger an einige wichtige Grundregeln halten, die da wären:

  • nachts tiefer schlafen als der höchste Punkt der Tagesreise
  • allmählich akklimatisieren (300m bis 500m höher pro Tag)
  • am ersten Tag nach Ankunft auf neuer Höhe langsam machen (chillen) - viele Sportbegeisterte übertreiben es am ersten Tag ihrer Hochtour und ruinieren damit den Rest ihrer Reise
  • Aufstieg bzw. die Auffahrt stoppen, wenn ungewohnte Müdigkeit oder Kurzatmigkeit auftreten
  • kohlenhydratreich essen, weniger Fettzufuhr
  • Alkohol, Tranquilizer und Schlaftabletten vermeiden
  • vermehrte Flüssigkeitsaufnahme in der Höhe
Also die Antwort auf Deine Fragen ist: Ja, Du solltest wegen der Höhe besorgt sein. Vorbereiten kannst Du Dich nur mit einer ausreichenden Akklimatisation, das bedeutet ein vorheriger Aufenthalt von 4-5 Tagen in großen Höhen auf 3000 - 3500m (Berghütte).

Ob das Risiko kalkulierbar ist? Wenn Du danach gehst, solltest Du Dich generell auf kein Motorrad setzen. Dieses Risiko ist wesentlich grösser als das Risiko, welchem Du Dich hinsichtlich der Höhe aussetzen wirst. Und damit kommen wir zum letzten Teil: Es wäre vernünftiger, den Trail zu Fuß oder mit dem Mountainbike zu machen, denn dann gewinnst Du nicht so schnell an Höhe und kannst besser akklimatisieren.

Übrigens: Sehr köstlich ist, was man teilweise anderenorts im Internet über die Vermeidung von Höhenkrankheit zu lesen bekommt: “Außerdem ist Höchenkrankheit auch vermeidbar, indem man während drei Tagen täglich 30g Wasser mit braunem Zucker trinkt und einige Multivitamin-Pillen einnimmt.” (Quelle: http://www.chinareise.com/tibet/gegen-hoehenkrankheit-bei-tibetreisen.php)

HERRLICH…!

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