Ursprünglich geplant hatte wir eine Hochtourenwanderung von Chamonix nach Zermatt mit Bergführer. Die Höhe der Übernachtungen beträgt im Schnitt 3000 Höhenmeter. Wir würden früher anfahren, damit ich mich ausreichend akklimatisieren kann.
Zu dieser Zeit werde ich Anfang des 5. Monats schwanger sein. Bisher geht es mir gut und ich hatte keine körperlichen Einschränkungen durch die Schwangerschaft. Meine Familie und ich sind sehr wandererfahren. Hohe Höhen haben mir körperlich nie etwas ausgemacht, auch haben wir schon mehrfach Hüttenwanderungen in den Dolomiten gemacht. Ich spiele seit Jahren Feldhockey und gehe ins Fitnessstudio.
Da es sehr unterschiedliche Meinungen gibt, ob ich diese Tour durchführen kann, erhoffe ich mir eine objektive Einschätzung durch Sie.
Antwort von Hoehenmedizin.org
Eine Schwangere, die nicht aus dem südamerikanischen oder tibetischen Hochland stammt, sollte eine Höhe von 2500m nicht überschreiten. Dabei kommt es eben nicht darauf an, dass Sie normalerweise eine gute Fitness haben oder sich in der Höhe auskennen. Es mag auch für Sie zutreffen, dass Sie weniger höhenanfällig sind. Entscheidend ist, dass ihr Kind in der Gebärmutter durch den Sauerstoffdruck in Ihrem Blut den eigenen Sauerstoff erhält. Und der Sauerstoffdruck in Ihrem Blut wird in Höhenlagen deutlich vermindert sein, das ist eine physikalische Tatsache, wie Sie anhand der unten stehenden Graphik sehen können.
Der Sauerstoffdruck in Ihrer Umgebung verhält sich genau so wie der Luftdruck, nur dass er eben bloß 21% davon beträgt. Je geringer dieser Sauerstoff-Teildruck ist, desto geringer wird die Beladung Ihres eigenen Blutes mit Sauerstoff sein. Und von dieser geringeren Beladung muss sich Ihr Fetus seinen Anteil an Sauerstoff “ziehen”. Denn der “Drive”, welchen der Sauerstoff hat, um von Ihrem Blut in das fetale Blut zu gelangen ist nichts anderes als der Konzentrationsunterschied zwischen beiden Blutkreisläufen.
Im besten Fall passiert nichts, aber darauf würde ich mich an Ihrer Stelle nicht verlassen. Sie sind dann im 5 Schwangerschaftsmonat und wollen nach weiteren 5 (Lunar-) Monaten ein gesundes Kind zur Welt bringen. Eine Unterversorgung mit Sauerstoff kann in dieser Zeit zur Entwicklungsverzögerung führen. Eine gravierende Unterversorgung führt zum Absterben des Fetus im Uterus. Wo man die Höhengrenze hierfür ziehen möchte, ist mittlerweile unstrittig: 2500m.
