Wir fahren im Juli mit einem dann 7 Monate alten Säugling in die Alpen. Meine Frage ist, bis zu welcher Höhe darf ein gesunder Säugling, ohne größere Probleme zu erwarten? Dürfte ich mit dem Auto auf 2700 m Höhe fahren und mich mit dem Baby dort eine kurze Zeit aufhalten?
Antwort von Hoehenmedizin.org
Das Thema "Höhenexposition bei Säuglingen und Kindern" ist unser Top-Thema und zeigt, wie gewissenhaft sich die Eltern auf einen Gebirgsaufenthalt mit Ihren Kleinen vorbereiten wollen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass
- Kinder die Höhe tendenziell besser ertragen als Erwachsene
- zirka ein Drittel aller Kinder eine leichte bis moderate akute Bergkrankheit (ABK) nach raschem Anstieg auf 3'500m erleiden (Daten vom Jungfraujoch)
- die Symptome sich in den allermeisten Fällen spontan über die ersten zwei Tage zurückbilden
- es jedoch Einzelfälle von schweren höhenbedingten Erkrankungen gibt, die eines sofortigen Abstiegs und einer Therapie bedürfen
- das subjektive Schmerzempfinden und die Sauerstoffsättigung schlechte Vorhersageparameter für die Entstehung oder Diagnose der ABK sind
Die Höhe, ab welcher man mit höhenassoziierten Erkrankungen rechnen muss, beträgt in unseren Breiten etwa 2'500m. Dieser Wert ist natürlich nur ein grober Anhaltspunkt. Es ist also nicht so, dass man auf 2'400m noch völlig beschwerdefrei war und auf 2'600m schwere Kopfschmerzen entwickelt. In modernen Verkehrsflugzeugen wird der Kabinendruck daher künstlich aufrechterhalten, aber nur bis zu einem Luftdruck, der 2'500m entspricht. Das können Sie mit einem druckgesteuerten Höhenmesser sehr schön nachvollziehen, wenn Sie fliegen. Das heißt, bis zu dieser Höhe sind Sie eher sicher.
Nun können ja kleine Kinder gesundheitliche Probleme nicht so deutlich angeben wie Erwachsene. Vielleicht erscheint Ihr Baby dann einfach nur lustlos oder scheint Schmerzen zu haben, die es kurze Zeit vorher im Tal nicht hatte. Allerdings können Sie davon ausgehen, dass es sich bei Symptomfreiheit völlig normal verhalten wird.
Sollte Ihr Kind einen Schnupfen oder eine andere Erkrankung der Atemwege (Bronchitis) haben, kann es eher zu einer Höhenerkrankung kommen. Denken Sie auch daran, dass Kinder durch ihre verhältnismäßig grössere Körperoberfläche schneller auskühlen und auch eine direkte Sonneneinstrahlung in der Höhe gravierendere Folgen haben kann als bei Erwachsenen.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, planen Sie, mit dem Auto in die Höhe zu fahren, dass heißt, Sie könnten auch schnell wieder runter. Unter diesen Umständen und mit den gegebenen Vorsichtsregeln müssen Sie sich keine Sorgen machen.