Ich bin an Morbus Waldenström erkrankt (Diagnose 2010, aus alten Blutwerten vermutlich bereits seit 2005, IGM zwischen 900 und 1100, bei oberem Grenzwert von 300), das ist eine seltene Lymphdrüsenkrebserkrankung. Durch die Erkrankung wird das Blut dicker.
Da ich leidenschaftlich gern in den Bergen bin und auch gern noch einmal Richtung USA fliegen würde, habe ich dazu zwei Fragen:
Bezüglich der Höhe in den Bergen wäre es für mich wichtig zu wissen, wie sich der Hämatokritwert durch einen 2–3 wöchigen Aufenthalt in ca. 500m ü NN, in 750m ü NN bzw. > 1000m ü NN verändert und wie man dem, außer durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr ggf. begegnen kann, d.h. ob es Medikamente für den Aufenthalt in der Höhe zum Erhalt eines angemessenen Hämatokritwertes gibt?
Zudem möchte ich wissen, wie schnell sich der Hämatokritwert durch das Fliegen (simulierte Höhe von 2000– 2500m und sehr trockene Luft) bei Kurz- Mittel- und Langstreckenflügen erhöht.
Antwort der Redaktion
Sie haben sehr spezifische Fragen, auf die es leider keine konkreten Antworten gibt, zumindest nicht so genau, wie Sie es sich vielleicht wünschen.
Der bei Ihnen diagnostizierte Morbus Waldenström geht mit einer vermehrten Bildung von großen Antikörpern einher (monoklonales IgM). Dies wiederum kann zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere dem Hyperviskositätssyndrom. Ursächlich hierfür ist die Eindickung des Blutes durch einen darin befindlichen erhöhten Eiweißanteil, was zum gestörten Blutfluss in kleineren Gefäßen führt. Die Bildung des IgM erfolgt durch funktionsgestörte B-Zellen, welche sich wiederum ungehemmt in bestimmten Teilen Ihres Körpers vermehren (Infiltration). Da von dieser Infiltration insbesondere das Knochenmark betroffen ist, kommt es zur Verdrängung der «normalen» Blutbildung und damit zu einer Blutarmut (Anämie) sowie einer Störung der Blutplättchenbildung (Thrombozyten). Diese Thrombozyten sind indes für einen Teil der Blutgerinnung sehr wichtig. Wir haben beim M. Waldenström nicht nur eine verminderte Bildung der Thrombozyten sondern auch noch eine gestörte Funktion selbiger durch eine Bedeckung der Thrombozytenoberfläche mit pathologischem Eiweiß (coating). Also haben wir zwei Probleme im Blut, die eigentlich gegensätzlich wirken: einmal die Verstopfung kleiner peripherer Blutgefässe und zum anderen vermehrte Blutungen.
Bei einer Höhenexposition kommt es auf Grund des verminderten Sauerstoffgehaltes im Blut nach wenigen Tagen zum Ansteigen des Hämatokrit-Wertes (HK), indem vermehrt rote Blutkörperchen (Erythrozyten) ausgeschüttet werden. Von diesen Erythrozyten werden Sie indes durch die o.g. Knochenmarksinfiltration normalerweise zu wenige besitzen. Um wie viel Prozent und nach welcher Zeit bzw. auf welcher Höhe sich der HK in Ihrem speziellen Fall nun tatsächlich erhöht, kann man unmöglich vorhersagen. Bei der Seltenheit der Erkrankung (Inzidenz 1/100‘000 pro Jahr) existieren diesbezüglich auch keine Untersuchungen.
Bei einem Langstreckenflug sollten Sie keine Sorge vor einem HK-Anstieg durch Erythrozytenausschüttung haben, hierfür reicht der niedrige Luftdruck nicht aus. Allerdings haben Sie durch das o.g. Hyperviskositätssyndrom beim langen Sitzen mit angewinkelten Beinen eine erhöhte Thromboseneigung. Ob Sie diesbezüglich vorsorglich gerinnungshemmende Spritzen applizieren sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Hämatologen.