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Hypertonie in grosser Höhe

Ich habe zwar eure Aus­bil­dung in Höhen­me­di­zin 2010 in Zer­matt mit dem Cer­ti­fi­ca­te in Expe­di­ti­on and Wil­der­ness Medi­ci­ne abge­schlos­sen, ste­he aber nun doch vor einem Rät­sel. Ich habe eine Fra­ge mich sel­ber betref­fend.

Ich habe alle 4000er der Schweiz ohne Pro­ble­me bestie­gen. Auch 2 Kili­man­ja­ro- und eini­ge ande­re 5000er Bestei­gun­gen waren pro­blem­los. Mei­nen Blut­druck habe ich dort nie gemes­sen. Zuhau­se ist er immer um 11080 mmHg. 2009 woll­te ich den Aco­na­ca­gua über die fal­sche Polen­rou­te bestei­gen. Beim obli­ga­to­ri­schen Check im Basis­la­ger auf 4100m war dann mein Blut­druck in meh­re­ren Mes­sun­gen zu hoch (160÷100 bis max. 180120). Trotz­dem stieg ich wei­ter auf. Im ers­ten Höhen­la­ger auf 5100m war aber End­sta­ti­on weil ich einen Druck im Kopf spür­te und auch einen ein­deu­ti­gen Leis­tungs­knick hat­te. Die Akkli­ma­ti­sa­ti­ons­tour eine Woche vor­her auf den Mai­po (5200m) war noch völ­lig pro­blem­los ver­lau­fen. Dort haben wir aller­dings nie BD gemes­sen. Die­sen Sep­tem­ber war ich in Ladakh. Schon in Leh, der Haupt­stadt auf ca 3500m, war mein BD über­ra­schen­der­wei­se um 16095. Ich ent­schloss mich, nicht wei­ter zu mes­sen und mach­te ein 12-tägi­ges Trek­king mit Bestei­gung des 6130m hohen Stok Kan­gri. Dort spür­te ich (trotz guter Akkli­ma­ti­sa­ti­on) immer wie­der einen leich­ten Druck im Kopf und hat­te etwas rote Wan­gen, kam aber recht gut auf den Gip­fel. Zurück in Leh war der BD um 16095 bis 170105.

Wie­der zuhau­se in der Schweiz sind die Wer­te nun um 12580.

Ich bin 57-jäh­rig, weib­lich, BMI 22, gesund. 2007 ließ ich eine rezi­di­vie­ren­de, par­oxys­ma­le, mul­ti­fo­ka­le Vor­hof­stachy­kar­die mit­tels Kathe­ter erfolg­reich abla­die­ren. Dies­be­züg­lich jetzt beschwer­de­frei.

  1. Könnt Ihr Euch einen Reim machen oder wisst etwas über Hyper­to­nie, die nur in gros­sen Höhen auf­tritt?
  2. Ich über­le­ge mir, das nächs­te Mal eine all­fäl­li­ge Hyper­to­nie zu behan­deln. Wel­che Medi­ka­ti­on wür­det Ihr mir emp­feh­len? Natür­lich möch­te ich mög­lichst kei­ne Leis­tungs­min­de­rung durch die Medis. Oder soll­te man nichts machen?

Antwort von Hoehenmedizin.org

Nor­ma­ler­wei­se stellt eine medi­ka­men­tös gut ein­ge­stell­te arte­ri­el­le Hyper­to­nie (aHT) kei­ne Kon­tra­in­di­ka­ti­on für das Höhen­berg­stei­gen dar. Rou­ti­ne­mäs­si­ge medi­zi­ni­sche Tests wie EKG oder Echo­kar­dio­gra­phie sind daher bei bestehen­der aHT hin­sicht­lich der Vor­her­sa­ge für höhen­me­di­zi­ni­sche Pro­ble­me nicht hilf­reich.

Typi­scher Wei­se steigt das Herz­mi­nu­ten­vo­lu­men, wenn man sich gros­sen und extre­men Höhen aus­setzt, in der Regel wegen einer höhe­ren Schlag­ra­te und nicht auf­grund eines grös­se­ren Schlag­vo­lu­mens. Aber natür­lich indu­ziert die Höhe einen Stress, der neben Höhen­krank­hei­ten bei eini­gen Men­schen auch zur aHT füh­ren kann. Häu­fi­ger sind davon jedoch Men­schen mit einem höhe­ren BMI betrof­fen, wovon man bei Dir nun wirk­lich nicht spre­chen kann.

Wei­ter­hin scheint das Angio­ten­sin-Con­ver­ting-Enzym (ACE) eine Rol­le zu spie­len. Durch eine nied­ri­ge Sauer­stoff­sät­ti­gung und einen gerin­ge­ren Blut­fluss durch die Nie­re wird von die­ser Renin aus­ge­schüt­tet. Das ist bei allen Per­so­nen so, die sich der Höhe aus­set­zen. Bei den Per­so­nen mit aHT in der Höhe kommt es aber zudem noch zum Anstieg von Aldos­te­ron, ver­mit­telt über Angio­ten­sin II, was eine ver­mehr­te Natri­um- und Was­ser­rück­re­sorp­ti­on zur Fol­ge hat. Dies wie­der­um scheint unter ande­rem auf einen gene­ti­schen Unter­schied im ACE-Gene zurück­zu­füh­ren zu sein.

In die­sem Fall wäre die Anwen­dung eines ACE-Inhi­bi­tors oder sogar Spi­ro­no­lac­ton erfolg­reich.

 

Hin­weis: Alle Namen wur­den aus recht­li­chen Grün­den von der Redak­ti­on geändert/entfernt.


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