Ich habe im April eine Zen­tral­ven­en­throm­bo­se im rech­ten Auge erlit­ten; eine oph­thal­mo­lo­gi­sche Unter­su­chung hat erge­ben, dass ich ein Maku­la­ödem habe, wel­ches in den nächs­ten Tagen behan­delt wird (Ava­stin). Eine Ursa­che für die Throm­bo­se konn­te nicht gefun­den wer­den. Ich bin ansons­ten gesund, 59-jäh­rig, Nicht­rau­cher, BMI ca. 22, 3–5 Sport­ein­hei­ten à 30 – 60 Minu­ten pro Woche plus Ski­tou­ren im Win­ter, Trek­kings im Som­mer und neh­me seit meh­re­ren Jah­ren Sta­ti­ne (Sor­tis, 20mg).

Ander­seits habe ich mich im Früh­jahr für ein Trek­king in Nepal ange­mel­det. Das Trek­king ist etwas spe­zi­ell: es hat zum Ziel, Spu­ren von Schnee­leo­par­den zu fin­den. Es ist also kein Trek­king mit all­zu gros­sen Stra­pa­zen, gleich­wohl sind wir an 8 Tagen in deut­lich über 3’000 Meter Höhe, wovon an deren 4 in rund 4’000 – 4’500 müM. Die Lager­hö­hen sind im Anhang auf­ge­führt.

Ich habe nun fol­gen­de Fra­gen, die evtl. Sie oder sonst jemand aus der SGGM beant­wor­ten kön­nen.

Besteht ab einer bestimm­ten Höhe (3000m; 4000m) ein Risi­ko, dass sich eine bestehen­de Throm­bo­se im Auge ver­grös­sert?

Besteht ein erhöh­tes Risi­ko, dass sich an einer andern Stel­le (z.B. am andern Auge) eine Throm­bo­se bil­det?

Ab wie vie­len Tagen in der Höhe steigt das Risi­ko für eine Throm­bo­se (könn­te ich z.B. risi­ko­los 3–4 Tage in die Höhe gehen und dann nach Kat­man­du zurück­ge­hen)?

Seit April neh­me ich auch Aspi­rin car­dio täg­lich zu mir. Ist es allen­falls sinn­voll prä­ven­tiv einen Blut­ver­dün­ner zu neh­men? Wür­den dann weniger/keine Ein­schrän­kun­gen in Bezug auf die Höhe bestehen?

 

Antwort der Redaktion

Herz­li­chen Dank für Ihre Anfra­ge. Kom­men wir zunächst zu Ihrer jet­zi­gen Erkran­kung. Eine Zen­tral­ven­en­throm­bo­se (ZVT) des Auges behin­dert den Blut­ab­fluss aus dem Augen­in­ne­ren, was letzt­end­lich dazu führt, dass das Blut auch nicht mehr in Ihr Auge hin­ein­ge­lan­gen kann, da es einen Blut­rück­stau gibt. Die­ser Rück­stau führt im Übri­gen auch immer zu dem von Ihnen genann­ten Maku­la­ödem, da der Gefäs­sinn­nen­druck so hoch ist, dass Flüs­sig­keit in den Raum außer­halb der Blut­ge­fä­ße abge­presst wird. Die Maku­la (eigent­lich macu­la lutea = gel­ber Fleck) ist die Zone des schärfs­ten Sehens. Schwel­lun­gen an die­sem Ort füh­ren immer auch zur Ver­min­de­rung der Seh­schär­fe. Kommt die Durch­blu­tung des Auges durch den genann­ten Rück­stau kom­plett zum Erlie­gen, kann es lei­der auch zur irrever­si­blen Erblin­dung des betrof­fe­nen Auges kom­men.

ZVT des Auges sind schon seit etwa 100 Jah­ren bekannt. Unge­ach­tet des­sen haben wir nur wenig greif­ba­re Anhalts­punk­te über deren Ent­ste­hung. Ver­mu­tet wird der behin­der­te Blut­fluss z.B. durch eine erhöh­te Dich­te (Vis­ko­si­tät) des Blu­tes, eine Blut­ge­fäß­wand­lä­si­on oder eine ver­min­der­te Strö­mungs­ge­schwin­dig­keit des Blu­tes. Die­se drei Ursa­chen sind im Übri­gen auch die Grund­pa­tho­phy­sio­lo­gie für alle übri­gen Throm­bo­sen (Virchow-Tri­as).

The­ra­peu­tisch gibt es heu­te ver­schie­de­ne Sub­stan­zen: Aspi­rin (ASS), Pen­t­oxy­phyl­lin (Tren­tal), Ava­stin (Beva­ci­zumab), Pla­vix (Clo­pi­do­grel).

Das Ava­stin wur­de eigent­lich zur The­ra­pie bestimm­ter Kar­zi­no­me ent­wi­ckelt, wird aber seit 4 Jah­ren erfolg­reich zur The­ra­pie der ZVT ein­ge­setzt. Es han­delt sich hier­bei um einen Hem­mer der Blut­ge­fäß­neu­bil­dung.

Nun zu Ihren Fra­gen:

Ja, das Risi­ko für eine ZVT steigt lei­der mit der Höhen­ex­po­si­ti­on an. Ob sich eine bereits bestehen­de ZVT wei­ter ver­schlech­tert, kann man nicht mit Sicher­heit sagen. Fakt ist jedoch, dass sich Ihr Häma­to­krit (Anzahl Zel­len pro Blut­vo­lu­men) in der Höhe ver­grö­ßern wird, wodurch Ihr Blut eine höhe­re Vis­ko­si­tät haben wird. Damit muss man auch Ihre Fra­ge Nr. 2 beja­hen.

Falls Sie über Blut­ver­dün­ner in der Höhe nach­den­ken, dann emp­fiehlt sich eher ein Hem­mer der Blut­ge­rin­nungs­fak­to­ren (nie­der­mo­le­ku­la­res Hepa­rin) als Aspi­rin. Wenn Sie sich nicht täg­lich sprit­zen wol­len, wäre auch Xarel­to eine Alter­na­ti­ve, aller­dings ist die­ses Medi­ka­ment für die­se Indi­ka­ti­on nicht zuge­las­sen (Off­la­bel-use). Beden­ken Sie bit­te, dass es unter Blut­ge­rin­nungs­hem­mern in der Höhe aber auch zu ver­mehr­ten Blu­tun­gen kom­men kann, die ggf. auch im Auge oder sogar im Gehirn auf­tre­ten kön­nen.

Wie­weit Sie sich von mei­nen Aus­füh­run­gen ent- oder ermu­ti­gen las­sen, hängt jetzt ein wenig von Ihnen ab. Da unser Leben an sich sowie­so nicht gefahr­los ist, soll­te man viel­leicht nicht auf alles ver­zich­ten. Und Sie beab­sich­ti­gen ein ein­zig­ar­ti­ges Erleb­nis zu buchen, wobei Sie völ­lig kor­rekt schrei­ben, dass 4500m kei­ne extre­men Höhen sind. Schließ­lich wol­len Sie ja nicht in die “Todes­zo­ne”. Die 4500m sind in den Brei­ten­gra­den des Hima­la­jas von den bio­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen her auch nicht gleich hoch ein­zu­schät­zen wie z.B. die Signal­kup­pe in der Schweiz.


Höhenauswirkungen auf eine ZVT II

Vie­len herz­li­chen Dank für Ihre umfas­sen­den Aus­füh­run­gen, wel­che mich mehr er- als ent­mu­ti­gen, zumal sich der Zustand mei­nes Auges seit der Ava­stin-Sprit­ze stark ver­bes­sert hat (Seh­kraft wie­der bei 70 – 80% gegen­über 30 – 40% unmit­tel­bar vor der Sprit­ze). Hof­fen wir, dass der Effekt andau­ernd ist, wohl wis­send, dass das Grund­übel, die Throm­bo­se, immer noch vor­han­den ist.

Ich ver­ste­he einen Satz von Ihnen nicht: “Die 4500m sind in den Brei­ten­gra­den des Hima­la­jas von den bio­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen her auch nicht gleich hoch ein­zu­schät­zen wie die z.B. Signal­kup­pe in der Schweiz.”. Mei­nen Sie damit, dass sich die 4’500 Meter in Nepal mit viel­leicht 3’500 Meter in der Schweiz ver­glei­chen las­sen?

 

Antwort der Redaktion

Ja, in etwa so. Unse­re Atmo­sphä­re, genau­er gesagt die Tro­po­sphä­re ist am Äqua­tor ca. 18km und an den Polen nur etwa 6km dick. Das liegt whs. am Schleu­der­ef­fekt der Erd­ro­ta­ti­on. Daher ist der Sauer­stoff­par­ti­al­druck in glei­cher Höhe grös­ser, je näher man dem Äqua­tor kommt. Damit gibt es auch weni­ger häu­fig höhen­as­so­zi­ier­te Erkran­kun­gen als z.B. in unse­ren Brei­ten, wenn man bei­spiels­wei­se auf 4500m Höhe ist.

Hin­weis: Alle Namen wur­den aus recht­li­chen Grün­den von der Redak­ti­on geändert/entfernt.



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