Höhenlungenödem (HAPE)

HAPE auf Mönchsjochhütte

Veröffentlicht am 12. September 2015

Als Gelegenheitsbergsteiger hatte ich schon einige Male Probleme bei Touren oberhalb 3000 Meter über Meer. Ich konnte bisher keine Regelmässigkeiten feststellen, da ich vor einigen Wochen mit einem Kollegen auf einer Skitour war und grosse Probleme hatte, hat er mich auf Ihre Homepage verwiesen.

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich nehme jetzt mal an, dass eine bessere Akklimatisation helfen wird. Wie gehe ich da am besten vor? Gibt es Medikamente, die man einnehmen kann? Korrespondenz Wir waren im Jungfraugebiet unterwegs, sind am Nachmittag auf die Mönchsjochhütte gefahren (3600 m.ü.M), haben dort übernachtet. Am nächsten Morgen hatten wir einen Aufstieg, eine Abfahrt, einen Aufstieg und die Schlussabfahrt bewältigt. Ich konnte nicht gut schlafen und hatte schon beim ersten Anstieg Mühe. Die Abfahrt war gut und ich fühlte mich gleich besser. Der zweite Aufstieg war sehr hart für mich, ich kam praktisch nicht vorwärts, hatte das Gefühl ich hätte einen Gürtel um die Brust geschnürt und hatte einen sehr hohen Puls. Zudem musste ich den ganzen Tag nie Wasser lassen und musste mich zum Essen zwingen. Oben angekommen (3800 m.ü.m) war ich total erschöpft. Die Abfahrt verlief gut. Mit jedem Höhenmeter weniger fühlte ich mich besser, musste noch erbrechen und als wir unten ankamen (1200 m.ü.m) war alles vorbei.

Rückblickend hatte ich das schon mehrere Male, einfach ohne Erbrechen. Ich hatte aber immer andere Entschuldigungen gesucht (Stress, wenig Schlaf, zu viel Sonne, usw.).

Können Sie mir weiterhelfen? Was kann ich dagegen zun?

 

Antwort der Redaktion

Ihre Beschwerden haben nichts mit den "anderen Entschuldigungen" zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass die Höhe diese Symptome hervorruft. Schlafprobleme, Verdauungsstörungen und Erbrechen weisen am ehesten auf die Akute Bergkrankheit (AMS) hin. Hatten Sie auch Kopfschmerzen? Die gehören eigentlich dazu. Leistungseinbusse und Luftnot sind bereits Anzeichen eines Höhenlungenödems (HAPE). Die Ursache für diese Erkrankungen ist der niedrige Luftdruck in der Höhe und begünstigend bei Ihnen scheint die fehlende Akklimatisation zu sein. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie mit der Jungfraubahn aufgefahren? Dafür gibt es das geflügelte Wort "zu schnell zu hoch". Was für Stundenaufenthalter in der Regel kein Problem darstellt, ist bei nicht akklimatisierten Übernachtungen in dieser Höhe durchaus bedeutsam. Dass Sie Schlafprobleme hatten, ist hier ganz normal. Ebenfalls normal ist der schwerfällige Aufstieg am nächsten Morgen: Ihre Muskeln hätten für die Arbeit gern etwas Sauerstoff zum Verbrennen gehabt, welcher aber nicht in adäquater Weise zur Verfügung gestellt wurde, was auf ein Lungenproblem hinweist. Als Sie wieder ins Tal abfuhren, stieg der Luftdruck und damit der Sauerstoffteildruck mit jedem verlorenen Höhenmeter an, was die Ursache Ihrer Beschwerden verschwinden lies.


Nachtrag

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich nehme jetzt mal an, dass eine bessere Akklimatisation helfen wird. Wie gehe ich da am besten vor? Gibt es Medikamente, die man einnehmen kann?

 

Antwort der Redaktion

Eine gute Akklimatisation braucht Zeit. Ab der problematischen Höhe (bei uns ca. 2500 m) nur 300 m pro Tag (maximal 500 m) hochsteigen. Die Berghütten liegen ja alle auf etwa dieser Höhe (2800 m).

Bei Symptomfreiheit steigen Sie am nächsten Tag weiter auf oder eben auf den Gipfel. Wenn Sie nicht ohne Probleme sind, sollten Sie einen Ruhetag einlegen - da kommt der Faktor Zeit ins Spiel, und die haben wir ja bekanntlich nicht bei einem Wochenend-Trip.

Medikamente kaschieren nur die Symptome, helfen aber nicht bei der Akklimatisation. In Ihrem Fall wäre es möglich, 24 Stunden vor Aufstieg mit 3 x 8mg Dexamethason zu beginnen.

 

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