Wir planen die Besteigung eines 6000ers im Himalaya im Frühjahr dieses Jahres. Mit in der Gruppe ist auch ein guter Freund von mir. Nun ist bei ihm ein AtriumSeptum-Defekt (genauere Informationen dazu habe ich leider nicht) bekannt - bisher ohne jemals symptomatisch auffällig geworden zu sein. Meine Recherche über ein erhöhtes Risiko war bisher leider wenig erfolgreich, außer, das vermutlich ein etwas erhöhtes Risiko für ein HAPE besteht.Ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie mir eine kurze Information dazu schicken könnten, oder einen Hinweis, an wen man sich als Berater wenden könnte.
Antwort der Redaktion
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Sie schreiben, dass ihr Freund einen Vorhofseptumdefekt (ASD) hat, der bislang noch nie Beschwerden verursacht hat. Woher weiß ihr Freund von seinem Defekt? Wurde bei ihm aus anderen Gründen eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt?Es gibt verschiedene Typen eines solchen "Loches" in der Vorhoftrennwand des Herzens. Zwei davon sollten operativ angegangen werden, da sie im späteren Leben praktisch immer zu Beschwerden führen: der Sinusvenosus-Defekt und der Ostium-primum-Typ. Wahrscheinlich hat ihr Kollege jedoch einen der anderen Vorhofseptumdefekte (PFO oder Sekundum-Typ), welche nötigenfalls mit einem Metallschirmchen via Herzkatheter verschlossen werden könnten.Um zu wissen, ob sich ihr Freund beim Höhenbergsteigen durch den ASD stärker gefährdet, muss man sich die Druckverhältnisse im Herzen anschauen (Abb. oben). Der rechte Herzteil hat normalerweise sowohl im Vorhof als auch in der Kammer einen niedrigeren Bludruck als der linke. Das führt dazu, dass z.B. bei einem kleinen ASD nur ein kleiner Blutanteil aus dem linken Vorhof in den rechten übertritt und dann nochmals durch die Lunge gepumpt wird. Das bedeutet zwar eine vermehrte Volumenbelastung für das rechte Herz, damit kommt man aber im normalen Leben zunächst gut klar.Im Hochgebirge wird es wegen des sinkenden Sauerstoffpartialdruckes in der Atmosphäre zu einer Verengung der Blutgefässe in der Lunge kommen, was wiederum zu einem Anstieg des Druckes in der rechten Herzkammer und über diese auch im rechten Vorhof führt. Damit kommt es zur Umkehr der Druckverhältnisse in den Vorhöfen, was wiederum zu einem Übertritt des Blutes von rechts nach links führen kann. Je nachdem, wie groß das Loch und wie hoch die Druckdifferenz zwischen den Vorhöfen ist, kann die Menge des Blutes erheblich werden. Dieses Blut aus dem rechten Vorhof ist indes noch nicht durch die Lunge gepumpt worden und deshalb sauerstoffarm. Die Folge wäre ein starker Leistungsabfall ihres Freundes, rasender Puls und schnelle Atmung, später blaue Lippen und Hände.Man kann aus der Ferne ohne den Patienten zu kennen und ohne kardiologische Untersuchung unmöglich sagen, wie groß die Gefahr sein wird, in die sich ihr Freund beim Höhenbergsteigen begibt, aber sie ist sicher größer, als bei Menschen ohne ASD. Untersuchungen belegen z.B., dass Menschen mit einem ASD in der Höhe schneller einen Bluthochdruck in der Lunge bekommen.Ich würde Ihnen empfehlen, sich mit einem Kardiologen in Verbindung zu setzen.