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AMS auch nach Abstieg

Ich habe immer wie­der Kopf­schmer­zen nach (Tages-)Touren im Alpen­raum. Die Kopf­schmer­zen sind ganz typisch und begin­nen über den Hin­ter­kopf wäh­rend des Tages / der Tour und wer­den gegen den spä­te­ren Nach­mit­tag und Abend kon­ti­nu­ier­lich stär­ker – teils sehr inten­siv und Schmerz­mit­tel hel­fen nur bedingt (sehr gute Ergeb­nis­se wur­den meist mit Vol­ta­ren Dolo For­te erzielt – Asprin scheint wir­kungs­los). Inter­es­san­ter­wei­se tre­ten die­se Sym­pto­me z.B. auch bei Über­nach­tun­gen in weni­gen extre­men Lagen (z.B. Leg­ler­hüt­te auf rund 2200m) auf.
Oft sind sel­be Sym­pto­me auch anzu­tref­fen bei Tages­tou­ren – auch wenn am glei­chen Tag wie­der ins Tal abge­stie­gen wird.
Wäre sowas als AMS ein­zu­stu­fen / eine Mög­lich­keit? Wie könn­te dies ermit­telt wer­den bzw. wel­che mög­li­chen Ursa­chen sehen sie alter­na­tiv?

Antwort der Redaktion

Sie beschrei­ben Kopf­schmer­zen bei Hoch­ge­birgs­tou­ren, wel­che auch knapp unter 2500m auf­tre­ten. Bis zum Beweis des Gegen­tei­les soll­ten Sie hier trotz­dem von einer AMS aus­ge­hen. Patho­phy­sio­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen hal­ten sich sel­ten exakt an die vor­ge­ge­be­nen Sche­ma­ta. Außer­dem sind die höhen­be­ding­ten Ver­än­de­run­gen auch abhän­gig vom jewei­li­gen Brei­ten­grad. Je wei­ter Sie sich vom Äqua­tor weg und zu den Polen hin bewe­gen, des­to dün­ner wird die Tro­po­sphä­re, wel­che den über­wie­gen­den Anteil der Luft unse­rer Atmo­sphä­re ent­hält. Am Äqua­tor ist die Tro­po­sphä­re ca. 18 km dick und an den Polen jahr­zeit­ab­hän­gig zwi­schen 6 und 8 km. In der Schweiz befin­den Sie sich zwi­schen dem 46. und 48. nörd­li­chen Brei­ten­grad und haben es daher mit deut­lich dün­ne­rer Luft zu tun als auf glei­cher Höhe in Äqua­tor­nä­he.

Dass Ihre Sym­pto­me bei Tages­tou­ren auf­tre­ten, ist nichts Unge­wöhn­li­ches, da man sich bei Kurz­trips sel­ten an die Akkli­ma­ti­sa­ti­ons­tak­tik hält.

Zur AMS zählt als Leit­sym­ptom der Kopf­schmerz. Häu­fig kom­men auch Übel­keit / Erbre­chen und Appe­tit­lo­sig­keit, beein­träch­tig­tes All­ge­mein­be­fin­den, Schwin­del, Schlaf­stö­run­gen und peri­phe­re Öde­me hin­zu. Von AMS spre­chen wir, wenn min­des­tens 2 die­ser Sym­pto­me vor­lie­gen. Die Beschwer­den kön­nen Stun­den bis Tage nach Auf­stieg oder Auf­fahrt und bereits ab ca. 2000 Höhen­me­tern auf­tre­ten. Zwi­schen 20 und 40% der Berg­stei­ger im Alpen­raum lei­den an der AMS ohne sich des­sen bewusst zu wer­den. Die Sym­pto­me wer­den meist einer ver­mehr­ten Erschöp­fung, der star­ken Son­nen­ein­strah­lung oder einer gewis­sen Wet­ter- oder Höhen­füh­lig­keit zuge­schrie­ben. Als mög­li­che Ursa­che kommt natür­lich auch der Was­ser- und Elek­tro­lyt­ver­lust in der Höhe in Betracht.

Nachricht an Hoehenmedizin.org

Erst­mals bes­ten Dank für Ihr aus­führ­li­ches Feed­back. Gibt es neben den Sym­pto­men (wie beschrie­ben) ande­re Indi­ka­to­ren, wel­che auf ein AMS schlie­ßen wür­den? Kann z.B. durch Mes­sung der O2-Sät­ti­gung im Blut oder aber eine Blut­ana­ly­se im Labor genaue­re Details lie­fern?

Ich hat­te die Sym­pto­me auch schon bei Tou­ren unter 1600hm – was mir doch enorm tief scheint für eine AMS. Stellt sich halt auch die Fra­ge, ob der Kör­per auf ver­schie­de­ne Pro­ble­me (Elek­tro­lyt­ver­lust, Höhe, etc.) ähn­lich reagiert. Gibt es z.B. nach Ihrer Erfah­rung eine Mög­lich­keit einen Elek­tro­lyt­ver­lust als Ursa­che aus­zu­schlies­sen?

Ich suche seit eini­gen Mona­ten nach Mög­lich­kei­ten um gewis­se «Pro­ble­me» aus­schlie­ßen zu kön­nen – bis anhin feh­len mir aber die «ein­deu­ti­gen Indi­ka­to­ren». Gibt es allen­falls auch die Mög­lich­keit zusam­men mit einem Med-Spe­zia­lis­ten aus dem Gebiet zu ver­su­chen das Pro­blem wei­ter ein­zu­gren­zen oder aber erach­ten Sie das als eher unwahr­schein­lich / wenig erfolgs­ver­spre­chend? Was wür­den Sie an nächs­ten Schrit­ten raten?

Antwort der Redaktion

zunächst wün­sche ich Ihnen ein erfolg­rei­ches und unfall­frei­es Berg-Jahr 2016.

Da der nied­ri­ge Umge­bungs­druck und damit der gerin­ge Sauer­stoff­par­ti­al­druck der direk­te Aus­lö­ser für jeg­li­che Patho­phy­sio­lo­gie von AMS, HAPE und HACE ist, ist natür­lich auch eine gerin­ge Sauer­stoff­sät­ti­gung im Blut vor­zu­fin­den. Auf den Aus­bil­dungs­kur­sen und Expe­di­tio­nen höhen­me­di­zi­ni­scher Gesell­schaf­ten wer­den daher immer Puls­oxy­me­ter mit­ge­nom­men und die Resul­ta­te auf­ge­zeich­net. Im Anhang fin­den Sie eine Publi­ka­ti­on von Urs Hef­ti und mir, in wel­cher Sie die sin­ken­de Sauer­stoff­sät­ti­gung und den Anstieg der AMS-Rate gegen­ein­an­der auf­ge­tra­gen fin­den: Schöll E, Hef­ti U. Höhen­me­di­zin­kurs im Expe­di­ti­ons­stil 2012. Sport­Or­tho­Trau­ma 2012; 28, 208–213

Die Sym­pto­me der AMS sind natür­lich sehr unspe­zi­fisch für eine kon­kre­te Erkran­kung, so dass sie z.B. auch das Resul­tat einer Virus­in­fek­ti­on sein könn­ten. Sol­che Dif­fe­ren­ti­al­dia­gno­sen stel­len gewis­sen­haf­te Medi­zi­ner immer und schlie­ßen dann eine nach der ande­ren aus. Was am Ende übrig bleibt, wird behan­delt. Wenn Sie bei sport­li­cher Betä­ti­gung Ihren Elek­tro­lyt­haus­halt durch­ein­an­der­brin­gen, ver­sucht Ihr Kör­per das natür­lich zu kom­pen­sie­ren. Noch vor eini­gen Jahr­zehn­ten hat­te die Mensch­heit noch kei­ne Iso-Mix­ge­trän­ke und Sport­ler haben trotz­dem über­lebt. Aber natür­lich wird z.B. ein rascher und gra­vie­ren­der Natri­um­ver­lust zu schwer­wie­gen­den neu­ro­lo­gi­schen Pro­ble­men füh­ren, eben­so wie eine Dehy­dra­ta­ti­on. Und Sie haben Recht: 1600m sind für eine AMS unwahr­schein­lich, mög­li­cher­wei­se hat­ten Sie da ande­re gesund­heit­li­che Pro­ble­me. Ihr Haus­arzt kann Ihnen da sicher wei­ter­hel­fen. Die­sen wür­de ich auf­su­chen, um die­se „gewis­sen Pro­ble­me“, von denen Sie schrei­ben, ein­zu­gren­zen.

Hin­weis: Alle Namen wur­den aus recht­li­chen Grün­den von der Redak­ti­on geändert/entfernt.


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