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Körpertemperaturmessung draussen im Winter

Soeben kom­me ich vom Blut­spen­den zurück. Beim Ein­tritts­test wur­de mit einem Ohrther­mo­me­ter mei­ne Kern­tem­pe­ra­tur bestimmt: 34,1 Grad! Tip­top dach­te ich mir, das ist fast ein Fall von Hypo­ther­mie… Es war mein kal­tes Ohr, wel­ches das Ohrther­mo­me­ter so stark beein­fluss­te! Dass ein Pro­fi-Ther­mo­me­ter der­art stark auf die Ohr­aus­sen­tem­pe­ra­tur reagiert hät­te ich nicht gedacht. Nun stellt sich mir die Fra­ge, wie und womit mes­sen Pro­fis wie Bru­no Dur­rer draus­sen im Gelän­de bei –25 Grad die Kern­tem­pe­ra­tur von unter­kühl­ten Pati­en­ten? Da ich im Win­ter sehr viel draus­sen unter­wegs bin, inter­es­siert mich die­se Fra­ge aus urei­gens­tem Inter­es­se.

Gibt es gute Res­sour­cen zu die­sem The­ma, die für Medi­zin­in­ter­es­sier­te und sehr pra­xis­nah geschrie­ben sind?

 

Antwort der Redaktion

Dan­ke für Ihre Mail. Ich hof­fe, dass Sie nicht wirk­li­ch die­se Kern­tem­pe­ra­tur auf­ge­wie­sen haben, denn damit hät­ten Sie immer­hin eine Hypo­ther­mie Grad I gehabt (35–32°C). Sie hät­ten also zumin­dest zit­tern müs­sen. Wahr­schein­li­ch ist es so, wie Sie es inter­pre­tier­ten: die kal­te Kör­per­scha­le hat das Mess­re­sul­tat ver­fälscht. Aller­dings dürf­te dies bei kor­rek­ter Mes­sung und ein­wand­frei funk­tio­nie­ren­dem Ther­mo­me­ter nicht in die­sem Mas­se vor­kom­men.

Was man im Ohr misst, ist die so genann­te epi­tym­pa­na­le Tem­pe­ra­tur. Das Ohrther­mo­me­ter regis­triert hier­bei die Inten­si­tät der vom Trom­mel­fell und dem umlie­gen­den Gewe­be abge­strahl­ten Infra­rot­strah­lung. Da das Tem­pe­ra­tur-Kon­troll­zen­trum unse­res Kör­pers, der Hypo­tha­la­mus, eben­so wie das Trom­mel­fell über die gleich­sei­ti­ge Arte­ria caro­tis (AC) ver­sorgt wird, ent­spricht die Trom­mel­fell­tem­pe­ra­tur prak­ti­sch der Tem­pe­ra­tur des Kör­per­ker­nes, aus wel­chem die AC kommt. Das funk­tio­niert natür­li­ch nur bei vor­han­de­nem Blut­strom in der AC, wovon man bei Ihnen wohl aus­ge­hen darf. Bei einem Sis­tie­ren des Blut­stro­mes wären Sie nicht bei Bewusst­sein; die ande­re Vari­an­te wäre ein ein­sei­ti­ges Feh­len der AC, dies ist jedoch extrem sel­ten. Schnee hat­ten Sie wohl auch nicht im Gehör­gang, wie man dies z.B. bei Lawi­nen­op­fern anneh­men kann. Dies wür­de das Mess­re­sul­tat natür­li­ch auch ver­fäl­schen.

Die kor­rek­tes­te nicht-inva­si­ve Mes­sung der Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur erfolgt nach Anga­ben von Ther­mo­me­ter­her­stel­lern immer noch rek­tal (wobei man hier auch über die Nicht-Inva­si­vi­tät dis­ku­tie­ren kann). Die Span­ne der vom Her­stel­ler ange­ge­be­nen Nor­mal­tem­pe­ra­tur­be­rei­che ist hier am kleins­ten, wie Sie an den unten ste­hen­den Anga­ben sehen kön­nen.

Rek­tal: 36.6 – 38.0 ºC → Span­ne 1.4°C
Oral: 35.5 – 37.5 ºC → Span­ne 2.0°C
Ohr: 35.8 – 38.0 ºC → Span­ne 2.2°C
Axil­lar: 34.7 – 37.3 ºC → Span­ne 2.6°C

Die exak­tes­te Mes­sung der Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur ist inva­siv über einen Pul­mo­na­lis­ka­the­ter oder eine öso­pha­ge­ale Son­de. In der Out­door-Pra­xis sind die­se Metho­den aber schlicht­weg nicht prak­ti­ka­bel. Die epi­tym­pa­na­le Mes­sung ist am schnells­ten, in der Anwen­dung ein­fach und für den Pati­en­ten am kom­for­ta­bels­ten. Einem Lawi­nen- oder Käl­te­op­fer bei Minus­gra­den die Kern­tem­pe­ra­tur rek­tal mes­sen zu wol­len ver­bie­tet sich von selbst. Daher muss man die Mess-Unge­nau­ig­kei­ten in Kauf neh­men und sich bei Hypo­ther­mie­op­fern auf den kli­ni­schen Algo­rith­mus ver­las­sen.

Hin­weis: Alle Namen wur­den aus recht­li­chen Grün­den von der Redak­ti­on geändert/entfernt.

 
 

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